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Jesus - mittendrin

Es ist 3 Uhr nachts und stock dunkel. Es sind deutlich weniger Menschen unterwegs als ich angenommen hätte und mehr die Hälfte der Stände sind geschlossen. Auffallend viele Kreuze, Kruzifixe und Rosenkränze sind in den Auslagen zu finden. Warum? Wollen die Leute den „alten Ramsch“ loswerden? Oder glauben sie, daß diese Dinge gerade „gut gehen“?

Ich mag keine Kruzifixe! Natürlich weiß ich, was Jesus für mich getan hat und immer wieder bereit ist einzusetzen. Und ich habe eine grobe Ahnung davon, was Gott für uns möchte und mit welcher Liebe er auf mich blickt. Und doch stößt mich dieses Bild einer Leiche in allen möglichen Kirchen ab. Ich mag Romantikerin sein, aber MEIN Jesus, kommt jeden Tag auf mich zu – lebendig, stark, sicher, führend, aufrecht, unantastbar und unverfügbar.

 

Und dann ist sie auf einmal da, diese besonders bizarre Szenerie:

Ein überdachter großer Stand. Von den Zeltverstrebungen hängen alte BHs, Strings, eine alte Gasmaske, lange Schmuckketten, Gerte, alte Petroleumlampen, …. Die Beleuchtung ist spärlich, die Dinge hinten im Stand kann man eher erahnen als sehen. Und am Boden liegt mitten im Chaos …. Jesus.

Er liegt am Boden, mit geschlossenen Augen, kaputt, zum Teil auseinander gebrochen und fasch wieder zusammen gesetzt, weil es der Händler wohl nicht besser wußte. Im ersten Augenblick erscheint der Gegenstand neben ihm, als sei eine Waffe auf Jesus gerichtet.

Ich konnte mich nicht entscheiden, ob diese Szenerie mich abgrundtief traurig oder gar wütend machte: Meinen Gott so „hilflos“ zu sehen, ausgeliefert, getreten und kaputt.

Von diesem Blick konnte ich mich gar nicht lösen. Ich machte mehrere Aufnahmen von diesem sich mir gebotenem Bild und versuchte aus verschiedenen Perspektiven zu „begreifen“ was ich dort sah. Und was im ersten Augenblick pure Bestürzung war, wurde zunehmend heilig. Jesus lag dort auf dem Boden, immer noch schön. War er wirklich so hilflos dort unten? Oder war das dort zwischen dem Ramsch genau der Platz, den er sich ausgewählt hatte: Am Boden, bei uns, mit mir auf Augenhöhe, inmitten meiner „Unwichtigkeiten“ und mangelnden Perfektion, eben in MEINER Realität, berührbar, spürbar, greifbar und unmittelbar.

Es gibt einen sehr schönen Gedanken von Christiane Quinke, der mir dazu einfällt. Ein Gedanke, der mich ebenso berührt, sogar erschüttert hat:

 

          Dein Gott ist ein „Mit-Dir-seiender-Gott“. Er ist ein Gott, der sich vor                Dir auf den Boden kniet,

            um Dir in die Augen zu schauen,

            Dir Wasser zu trinken zu geben und

            Deine Lasten zu tragen.

 

Mir ist vollkommen klar: Dieses Bild lag in dieser Nacht nicht zufällig dort. Es hat geweckt, erschüttert und berührt. Es hat erinnert und nahezu geschrien: „Du bist nicht allein, ignoriere mich nicht ständig! Du füllst Dich einsam? Mein Kind – öffne doch bitte endlich Deine Augen!!! ICH BIN HIER!“

 

 

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