Ärztliche Privatpraxis

Aktuelles

 

Sie finden mich:

 

Praxisadresse:

Pfr. Ledermann Platz 6

86456 Gablingen

 

 

Postadresse:

Grünholder Straße 37

86456 Gablingen

 

0170  510 45 50

 · 

Betrachtung einer persönlichen Berufung als Laie

1.     Einleitende Worte

Persönliche Berufung

Oder eben die Frage, was Gott sich von mir wünscht. An welcher Stelle möchte Gott, daß ich für und mit ich wirke? Was ist mein ganz persönlicher göttlicher Plan, ergo Sinn meiner Existenz hier auf Erden? Und wie kann eine Person erkennen, daß sie in der Suche nach ihrer Berufung Fortschritte macht oder auf dem richtigen Weg ist?

Es erscheint, als müsse man zunächst eine weite Wegstrecke gegangen sein, um  dann auf den bereits zurückgelegten Weg und die damit verbundenen Entwicklung zurückblicken zu können und um zu erkennen, daß diese verschiedenen winzigen und oft unzusammenhängenden und bunten Puzzelteile in Wahrheit bereits Teil eines wundervollen, göttlichen Fraktals geworden sind. Und um zu sehen, daß sich viele der Fragen schon längst geklärt haben.

In Anlehnung an das Vorlesungsskript zum Vertiefungsmodul M8 von Prof. Dr. Vogl, SS 2019, soll in dieser Arbeit mein eigener Berufungsweg reflektiert werden. Als Grundlage dessen werde ich versuchen diesen Weg zu beschreiben, ohne den Leser mit zu langwierigen Details zu langweilen. Um eine bessere Übersicht zu schaffen und persönlich empfundenen Entwicklungsschritte voneinander differenzieren zu können, wird der Weg in verschiedene Wegstrecken (Etappen) gegliedert.

 

2.     Versuch einer Wegbeschreibung

(Textgrundlage des Essays)

Erste Etappe:

Gott rief mich früh und auch sicher mehr als einmal. Doch ich war Kind und verstand es noch nicht. In verschiedenen Lebensetappen und Erlebnissen durfte ich ihn wahrnehmen und kann mich an sehr konkrete Ereignisse mit 9, ca.12 und 16 Jahren erinnern. Ich nahm dies als Geschenk an, ohne daß ich die Reichweite oder verborgene Bedeutung damals hätte erahnen können.  Gott war eine feste Größe und allein dieser Umstand war ausreichende Erklärung.

Es war immer ein spannendes Leben: aufregend, dramatisch, traurig, faszinierend, umständlich, dichtbepackt, laut, heftig, tiefgehend, unglaubwürdig, fantastisch, einsam und doch im Rampenlicht. „Normal“ – gab es nicht und dieser Umstand machte mir Sorgen.

 

Zweite Etappe:

Ich lernte, daß alles überlebbar war: der Tod nahestehender Personen, der Tod an sich, Schmerzen, Suizide, dramatische Unfälle, der Tod der eigenen Würde, Ängste, wahre Todesängste, Krankheit, Demütigungen, Verzweiflung und Unsicherheiten, Schande, Verluste, Konflikte, Entfernungen, der Tod ungeborener Kinder, psychische Gewalt, ein Studium, zum Himmel schreiende unmögliche Ungerechtigkeiten …. Alles. Und nie wäre ich auf die Idee kommen deshalb an Gott zu zweifeln oder ihn zu fragen, wo er in diesem oder jenem Augenblick wohl abgeblieben war? Ob es wirklich etwas Wichtigeres gab, als an einer ganz bestimmten Stelle meines Lebens zu retten? Es bestand keine besondere Nähe und doch gab es eine Verbindung, die nie abgebrochen war. Es war eine Zeit der Stille. Bisweilen war es auch eine Zeit der unbestimmten Suche – doch es bliebt still.

 

Dritte Etappe:

Keine Zweifel – bis zu diesem einen Tag, der Tag (13.Nov.2007) an dem ich jegliche Kontrolle beraubt wurde, was meine bisherige Vorstellung von Existenz einschloß, Lebensplanung, Perspektiven, meine weibliche Identität. Und die Narben würden dafür sorgen, daß ich dies auch niemals vergessen würde. Jetzt – jetzt das erste Mal, fragte ich bald schreiend nach Gott. Und es blieb nicht bei der Frage. Ich schrie ihn an, ich schimpfte und wütete und konfrontierte ihn mit allem, was aus meiner kleinen menschlichen Sicht, nicht richtig gelaufen war. Zu diesem Zeitpunkt schien er zu schweigen.

Heute weiß ich, daß er mich mit liebenden Händen sachte geschützt hat, mich von Weiterem abschirmte und das Entscheidendste: Er hatte mich überleben lassen – im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Vierte Etappe:

Auch ich schwieg in Zukunft weitestgehend und es brauchte viele göttliche Berührungen, Geschenke und Ereignisse bis ich mir eingestehen konnte, daß ich nun an einem Punkt angekommen war, an dem ich allein nicht mehr weitergehen konnte. Meine Lebensfunktionalität war stets erhalten geblieben, doch es war mehr ein „Überleben“ des Alltags, denn ein Leben in Fülle.

 

 

 

Fünfte Etappe:

Wir befinden uns im Jahr 2009 und ich fand mich in einer Kapelle wieder, während eines Gottesdienstes, als Teilnehmerin eines Kurses bei Vortragsexerzitien bei P.Buob. Ununterbrochen liefen mir über Stunden die Tränen übers Gesicht. Meine Trauer schüttelte mich und ich konnte nicht begreifen, was in diesen Stunden gerade passierte.

Ich war nach diesen Tagen dort nicht mehr die Selbe ohne zu verstehen, was in mir vor sich ging. Nach einiger Zeit wurde mir klar, daß diese geweinten Tränen nicht meine eignen waren und sich in mir etwas den Weg bahnte, was ich als Emotion oder innere Wahrheit bisher gut verdrängt und von mir geschoben hatte.

 

Sechste Etappe:

Selbstverständlich passierten weiterhin dramatische Dinge in unserem Leben, die uns in ihrem Fassettenreichtum auch niemand abnehmen würde. Doch ich besuchte nun regelmäßig ein bis zwei Mal im Jahr Exerzitien, studierte die Heilige Schrift, besuchte Alphakurse, Seminare, Vorträge, Gebetskreise und suchte mir geistliche Begleiter.

Mein Plan, als selbständige Fotografin zu leben, scheiterte aus diversen Gründen und ich mußte gegen meinen Willen zurück in die Klinik und als Arzt arbeiten – etwas was ich nie wieder erleben wollte. Ich bekam eine Stelle in der Psychiatrie, was ich mir zuvor gar nicht erst habe einfallen lassen. Und ich war gut in dem was ich tat, was ich wiederum überrascht zur Kenntnis nahm. Oft war es so, daß ich Menschen etwas rein intuitiv erzählte oder beibrachte, ihnen aber dennoch entscheidend weiterhelfen konnte. Selbstverständlich freue mich dies, doch es warf auch viele Selbstzweifel auf und die Annahme, daß irgendwann doch mal jemand feststellen mußte, daß ich eigentlich gar keine Ahnung hatte – zumindest nichts Fundiertes.

Statt, „entlarvt“ zu werden, bot man mir als Assistenzärztin nach bereits einem Jahr eine Facharztstelle in der Ambulanz an, in welcher ich vollkommen autark arbeiten würde. Selbstverständlich genoß ich dieses Privileg und liebte meine Arbeit und vor allem meine Klienten, doch ich konnte nicht wirklich nachvollziehen, wie das alles so richtig sein konnte und hatte große Versagensängste.

Besonders in der Arbeit mit meinen Klienten durfte ich Gottes Wirken sehr konkret erleben und sehen, was mit Menschen geschieht, die sich für ihn geöffnet haben – komme was wolle. Mir wurden in dieser Zeit viele Vorbilder geschenkt. Gott nahm einen immer größeren Raum in mir und meinem Leben ein.

Ein Lebensereignis reihte sich an das andere und ich ging meinen Weg – auf Gott zu – kontinuierlich weiter, immer auf der aktiven Suche nach mehr: mehr Nähe, mehr Verstehen, mehr Liebe, mehr Intimität, mehr Wissen, mehr Gott!

 

Siebte Etappe:

Eines Tages wurde in mir die Idee gegenwärtig, daß ich mich entscheiden müsse. Es war klar, daß nun der Punkt gekommen war, an dem ich mich vollkommen öffnen dürfte und mich für Gott, das Leben und mein Lebensglück entscheiden darf oder aber eben versuche es in frustranen Bemühungen selbst zu regeln. Das war vor fast vier Jahren und ich entschied mich für das Glück, als wahrlich aktive und sehr bewußte Entscheidung. Mit dieser Entscheidung veränderte sich spannender Weise auch wieder meine Arbeit und es kamen immer mehr Menschen zu mir, die tatsächlich die therapeutischen und christlich-spirituellen Aspekte miteinander verbunden haben wollten. Mein eigenes Leben wurde immer reicher und dichter. Sicher nicht weniger dramatisch, aber doch deutlich heller, freundlicher, energetischer und tatsächlich tröstlicher. Verschiedenen Lebensereignisse ließen sich nun gut und weitestgehend komplikationslos in unseren Lebensplan integrieren. Wir führen ein Leben, fernab jeder Normen mit drei sehr besonderen (z.T. erkrankten) Kindern, einem erweitertem Familienmodel und dem Familienmotto: Geht nicht – Gibt’s nicht! Dies geht einher mit z.T. manisch anmutender Energie, Freude und Frieden. Selbstverständlich gab und gibt es dunkle Zeiten in mir, doch das sind temporäre Phasen – immer mit einer göttlichen Perspektive.

Immer schon war ich ein Energiebündel das schwer zu zähmen war, doch nun erschien Außenstehenden meine Energie oft unerschöpflich, was häufig thematisiert wurde. Ich selbst war zufrieden. Oder vielleicht sollte es besser heißen, ich war in Frieden und subjektiv durchaus des Öfteren an meine Energiegrenzen angekommen.

Ich begann zu studieren und endlich Worte und Beschreibungen für das zu finden, was alles in mir war und ist. Bisweilen wurden mir wahre Gottesbegegnungen geschenkt, die mich vollkommen aus allem Bekannten herausrissen und mich für Tage in Euphorie versetzten. Trotz des Gefühls vor Glück bald zu platzen, hielt ich diese Kostbarkeit verborgen und verstand nicht, wie ausgerechnet mir dies geschenkt werden konnte, in meiner häufigen Zerrissenheit, Untreue, Verfehlungen, Hochmut und dem Gewöhnlichen.

 

Achte Etappe:

Anfang dieses Jahrs verbrachte ich erneut Tage in einem Exerzitienhaus. Das Thema der Vorträge war mir egal, auch wer dort war, wie voll oder gar wer die Vorträge halten würde. Schon seit einiger Zeit war das wirklich wichtige in derartigen Tagen, die Möglichkeit Zeit vor und mit Gott zu verbringen. In Vorträge muss man nicht zwingend gehen, wenn man die Kapelle mit dem Allerheiligsten für sich allein haben kann. Und Schlaf wurde zur absoluten Nebensache, da es hier keine zeitlichen Limitierungen gab. Tatsächlich kann ich mich an viele Begebenheiten dort im Nachhinein gar nicht mehr erinnern, doch auch das erscheint nicht wichtig. Ich war und bin bei Gott und an diesem Ort konnte ich ihn und seine Gnaden besonders gut annehmen und zulassen. Der Ort erschien wie ein Tor und am liebsten hätte ich nur noch vor diesem Tor gesessen und gewartet, einen Blick auf Gott erhaschen zu dürfen.

Tatsächlich ging es in diesen Tagen um Vergebung, Loslassen und Heilung und die Tage erscheinen wie für mich persönlich konzipiert.

Eine mir selbstgestellte Aufgabe dieser Tage war, alle meine persönlichen Haltestellen des Lebens aufzumalen, mit allen erfahrenen Verletzungen und Grenzüberschreitungen, um in der Betrachtung vor Gott festzustellen …. Da ist nichts mehr. Es sind Erinnerungen, aber mehr nicht. –

Ohne er zu ahnen, pflegte ich meine imaginären Verbände und Pflaster, kümmerte mich darum, meine Wunden immer gut zu verbinden, zu pflegen und zu schonen. Doch in dieser Situation, in der ich vollkommen offen vor ihm einfach SEIN konnte, nahm Gott mir alle Verbände ab, damit ich meinen Körper betrachten konnte und ich mußte feststellen, es waren keine Verletzungen mehr da. Es war zur Gewohnheit geworden, mich um die Verbände zu kümmern und Schonhaltungen einzunehmen, die nun absolut überflüssig erschienen. Im Verborgenen hatte Gott schon längst alles geheilt und in Ordnung gebracht. Bei aller Dankbarkeit und Schönheit, war auch das eine Form des Verlustes. Etwas Bekanntes und bisher Akzeptiertes entfiel nun.

In meiner Arbeit fällt zunehmend auf, daß mein wesentlicher Job darin besteht, Menschen zu „erkennen“, ihnen ihre positive (göttliche) Perspektive mitzuteilen und sie dann laufen zu lassen. Die Meisten laufen auf einem ganz neuen Weg und haben sich um 180° gedreht, ihr Leben in die Hand genommen und sich für ihr Glück und das Leben entschieden.

Was die Klientin nicht wissen, ist, daß ich nicht weiß, wie ich dies tue und oft selbst vollkommen überrascht bin von den Worten, die ich da von mir gebe. Häufig sehe ich die Menschen nach zwei oder drei Kontakten nicht wieder, denn sie brauchen mich nicht mehr. Sie brauchten lediglich jemanden, der sie wieder auf die Spur setzte, ihnen das Joch von den Schultern nahm und ihnen den verheißungsvollen Horizont zeigte.

Erfahre ich dennoch von Ihnen oder ihrem weiteren Werdegang, bin ich jedes Mal wieder vollkommen fasziniert und dankbar für diese tollen Menschen, die einfach ALLES erreichen können und nun selbst die Welt für andere erschließen und öffnen. Es erscheint wie die Wirkung eines Multiplikators, der nur kleinste Steine bewegt und doch das ganze Gebilde in Bewegung versetzt.

Das kann ich richtig gut. Ich bewege Menschen. Ich führe sie zurück in ihr Leben und öffne ihnen ungeahnte Türen und Fenster und darf so Licht in ihr Leben bringen. Doch ich spüre dabei sehr klar, daß ich das Werkzeug bin und nur zufällig Anteil daran haben darf und so Zeuge von wunderbaren Geschehnissen werde. Es sind nicht meine Fähigkeiten. Ich weiß nicht einmal was ich da wirklich mache, bzw. woher ich wissen könnte, was mein Gegenüber gerade benötigen könnte. Für mich ist es ein Mysterium, in welches ich von Gott gestellt wurde und nun als Werkzeug dabei sein darf, in seiner großen Wirkung.

Und so gibt es auch keine Hindernisse mehr. Es kann keine Situation geben, die Gott überfordern könnte und so kann auch ich in objektiven Grenzsituationen gut für mein Gegenüber da sein. Ich denke nicht, daß es Zufall ist, daß ausgerechnet in meinem Schichten der Notfallseelsorge Kinder sterben oder ich die Eltern im Sterbeprozess begleiten darf, ich auf hochspirituelle Angehörige treffe und meine Betreuungszeiten oft über die eigentliche Einsatznacht hinaus geht. Ich denke wir können uns darauf einigen, daß ich selbst kein besonderes Interesse am Tod von Kindern hege und emotional eher zerfließen möchte, besonders wenn das Kind zufällig ein Alter eines meiner eignen Kinder hat..

Meine Berufung ist es, Menschen zu erkennen und sie wieder auf ihren eigentlichen Weg zu bringen. Ggf. auch einen Weg, den sie schon vor Jahren verlassen haben, sich nicht mehr trauen ihn zu betreten oder ihn sogar neu schaffen müssen. Bott bewegt mit mir Menschen. Sie bekommen etwas ab, von dem Feuer und der unglaublichen Energie, dem Mut, der Perspektive und der Kraft, die darin stecken. - Etwas, was meine Mitmenschen spüren und benennen.

Besonders in sehr bewegenden und ereignisreichen Zeiten, gehen mir die Worte aus. Die innere Emotionswelt ist nach so vielen Ereignissen kaum noch faßbar. Einfache Worte erscheinen zu lapidar und einfach. Sie können nicht fassen, was sie ausdrücken sollen und stehen ehr im Weg. Ich habe fast Sorge, daß ihre Einfachheit, den Zauber, der diesen Situationen gerade innewohnt, zerstören oder entwerten könnte. Auch hier möchte ich einfach nur vor Gott sein – bei ihm sein – der Quelle all meinen Seins und der Kraft, aus der ich lebe und die ich weitergeben darf. In diesem Kontext wurde eine Bibelstelle, die mir schon früher in den Sinn kam, immer lauter in meinem Inneren: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen! (LK 12,49)

 

Neunte Etappe

Leider werde ich, selbst mit diesen erhebenden Gefühlen und dem über mich hinauswachen nicht „heiliger“. Sehr deutlich wird oft der Gegenpol, meine menschliche Begrenztheit und ICH-Bezogenheit, deutlich. Da es keine Kraft ist, die aus mir und meiner Persönlichkeit kommt, ist sie nicht via Knopfdruck abrufbar. Zudem kann es zwar sein, daß ich scheinbar alle Ressourcen für jemanden zur Verfügung hätte, aber aus einem persönlichen, egoistischen Grund (Verletzung, Enttäuschung, Gefühl der Ungerechtigkeit, u.ä.) Dinge, wider besseren Wissens, nicht einsetze. Damit habe ich sicher nicht automatisch Böses getan, sicher aber Gutes unterlassen. Das bringt mich immer wieder in einen inneren Konflikt. Bedeutet die Tatsache, daß ich etwas besser lösen könnte, oder einen Lösungsansatz für jemanden hätte, um seine psychische Struktur weiß und ihn so besser einschätzen und verstehen könnte gleichzeitig, daß ich dies auch immer umsetzten muß? Das schaffe ich nicht.

Selbstverständlich ist der weitere Weg nicht klar. Ich kann heute sagen, daß ich im Hier und Jetzt lebe. In Träumen, Begebenheiten, meinen Mitmenschen oder Beobachtungen erfahre ich dankbar eine Form der passiven Läuterung durch Gott, die oft bittersüß erscheint.

Es ist davon auszugehen, daß es noch unglaublich viele Etappen geben wird, auf die ich mich jeweils freue und die ich gespannt erwarte. Und ich werde auf diesem spirituellen Weg mein soziales Umfeld genießen, mit denen, die gleichgesinnt sind und mich deshalb suchen und denen, die noch fernab von ihrem eigenen Weg stehen und denen ich mit Gottes Hilfe beistehen darf.

Derzeit bete ich rum die Gnade der Hingabe zu Gott, die ich nur durch ihn selbst erfahren kann und seit Ostern 2019 sehr genau in der geistlichen Begleitung betrachte.

 

 

2.1.   Genauere Wegbetrachtung

(Tatsächlicher Inhalt und Aufgabenstellung des Essays)

In diesem Teil soll der vorangegangene spirituelle Weg, welcher sicher auch als Berufungsweg gesehen werden darf, betrachtet werden. Grundlage dieser Betrachtung wird das Vorlesungsskript sein. Um den Bezug nachvollziehen zu können, werden die entsprechenden Skriptseiten in Klammern mit angegeben.

Für den folgenden Blick wurde bewußt die Aussenansicht verwendet, um eine möglichst objektive Auseinandersetzung zu erfahren und sich von aufkommenden Emotionen nicht weiter beeinflussen zu lassen. Weiter soll meinem spontanen Impuls der potenziellen Rechtfertigung entgegengewirkt werden, da es sich um meinen persönlichen Weg handelt. Und das Entscheidendste: es soll eine objektive und genauere Betrachtung (irgend-) eines Berufungsweges sein. Deshalb wird im folgenden Abschnitt die Rede „von dem Schreiber“, in der dritten Person, Singular sein.

 

Als allererstes fällt auf, daß es nicht ein einzelnes, zündendes Ereignis gab, sondern, daß sich hier wahrlich ein Weg und ein damit verbundenes Wachsen abzeichnet. Augenfällig ist auch, daß dieser Weg bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, es sich also lediglich um eine bisherige „Bestandsaufnahme“ handeln kann, die nun in bisher 9 Etappen beschrieben wird. Die einzelnen Etappen sollen nun jeweils eine kurze Betrachtung erfahren:

 

Erste Etappe:

Interessanter Weise durfte der Schreiber schon als Kind eigene Gotteserfahrungen erfahren. Eine gewisse Grundempfänglichkeit dürfte von vornherein vorgelegen haben, da dieses Kind ganz offensichtlich durch Familie und soziales Umfeld bereits spirituell sozialisiert wurde. Seine persönlichen Erfahrungen mit 9, 12 und 16 Jahren stellten somit primär eine Bestätigung da und werden den Horizont für etwas Größeres, Verborgenes eröffnet haben.  In dem Satz, „Geschweige, daß ich verstehen hätte können, zu was genau mich dieser Ruf hätte bewegen sollen.“ Wird deutlich, daß es eine kindliche Begegnung darstellt. Es ist eher unwahrscheinlich, daß ein Kind den höheren Sinn einer Begegnung hinterfragt. Für Kinder geht es initial um Wahrnehmungen, welche dann eine sehr subjektive Beurteilung erfahren (angenehm und gut oder negativ). Die Tatsache, daß unser Protagonist als Erwachsener eine sehr klare Ahnung seiner Berufung gewinnt, impliziert an dieser Stelle keineswegs, daß sich der Ruf Gottes geändert haben könnte. Viel eher wird sich dieser Ruf im Hörenden weiterentwickelt und langsam manifestiert haben. Durch die verschiedenen Lebensumstände eines Menschen, gibt es immer auch eine dynamische Seite der persönlichen Berufung, welche sich durch neue Aspekte, Akzente oder Vertiefungen ausdrücken kann (S.12).

Für das Kind allerdings, waren zu diesem Zeitpunkt noch keine Erklärungen oder Verdeutlichungen jeglicher Art nötig. „…allein dieser Umstand war ausreichende Erklärung.“ Hier wird einerseits sicher eine gewisse kindliche Naivität deutlich, andererseits aber auch das infantile Vertrauen und die Klarheit: Gott ist Gott! – Zweifel sind etwas für Erwachsene.

Auch als Kind nimmt der Verfasser wahr, daß etwas anders ist. „und dieser Umstand machte mir Sorgen.“ Eine Andersartigkeit in deutlich veränderten Lebensumständen wurde wahrgenommen, ohne diese wirklich einschätzen zu können. Dieser Umstand ist für alle Menschen beunruhigend. Zudem möchte das menschliche Herdentier immer Teil der Gemeinsacht sein, in ihr gesehen werden und dadurch Wertschätzung erfahren. Dies stellt ein normales menschliches Bedürfnis darf. Diese Erfahrung scheint dem jungen Menschen der Textvorlage zu fehlen.

 

Zweite Etappe

Es erfolgt eine Aufzählung persönlich wahrgenommener Katastrophen, ohne diese näher zu bezeichnen. Dennoch ist dem zu entnehmen, daß der Schreiber mutmaßlich mehr als einmal an seine persönlichen Grenzen geführt wurde, an das Limit des persönlich Ertragbaren.

„…nie … deshalb an Gott …zweifeln.“ Hier wird deutlich wie sehr der kindliche Glaube und das damit verbundene, individuelle Wissen über Gott Bestand hatte und aufrechterhalten werden konnte. Gott IST! Keine Zweifel, trotz verschiedener Schicksalsschläge: Tatsächlich berichten viele Menschen, daß Dinge zum Zeitpunkt des eigentlichen Ereignisses gar nicht als so dramatisch oder negativ bewertet wurden. Psychologisch betrachtet ist dieser Umstand auch im höchsten Maße sinnvoll, denn würden wir uns durch eine krasse Negativbewertung nicht selbst die Sinnhaftigkeit des Ereignisses und somit der Motivation und Kraft berauben, die jeweilige Situation zu meistern? Und ganz objektiv betrachtet, hat Gott den Verfasser doch alle Situation bestehen und überleben lassen und ihn zumeist noch stärker aus ihnen hervorgehen lassen. Hat er sich nicht gerade hierin bewiesen?

Aufgrund biographischer Erfahrungen kamen nun die ersten Unsicherheiten auf. Und doch bleibt es eine eher halbherzige Suche (unbestimmt) und es ist fraglich, ob sich diese Suche auf Gott bezogen haben könnte oder ob es eine generelle Anfrage nach Unterstützung war. „…Zeit der unbestimmten Suche – doch es bliebt still.“ Es war keine Anfrage an Gott, keine Bitte, die er hätte erhören können und für deren Beantwortung der Schreiber empfangsbereit hätte sein können.

 

Dritte Etappe

Es wird der persönliche „Overload“ beschrieben, der Zeitpunkt, an dem der individuelle Cut-Off-Wert des Ertragbaren überschritten wurde – ein Wendepunkt, an dem alle bisherigen Regeln und Normen ihre Existenz verlieren. Und genau hier -

„…schien er (Gott) zu schweigen.“ Schwieg er tatsächlich oder hörte er zu, stand bei und durchlitt mit dem Schreiber das empfundene Leid? Genau diese Frage wird im nächsten Satz aufgegriffen, in welchem eine retrograde Wahrnehmung in die Wegbeschreibung aufgenommen wurde. „Heute weiß ich …“ Gott handelt nicht so, wie wir uns das wünschen oder meinen es in diesem Augenblick zu benötigen. Besonders nicht, wenn nicht darum gebeten wurde und es demnach keine Offenheit für Gottes Wirken im Wahrnehmungsraum des Menschen gibt. Dennoch ist dies nicht gleichbedeutend mit einem Nicht-Wirken Gottes. Doch das erschließt sich dem reflektierten Menschen oft erst in der Nachschau bestimmter Ereignisse und Situationen.

 

Vierte Etappe

Es wird still auf dem spirituellen Weg des Protagonisten. „Auch ich schwieg in Zukunft weitestgehend.“ An dieser Stelle zwingt sich geradezu die Frage auf, ob es sich bei diesem Schweigen um eine infantile Trotzreaktion handelt oder eben doch um eine gewisse Lähmung im Sinne einer Schockstarre.  Im weiteren Verlauf findet sich eine Art Rückbesinnung auf den kindlichen Glauben statt: „…an dem ich allein nicht mehr…“, was ein Indiz für eine persönliche Lähmung darstellen könnte. Eine Zeit der Sammlung wurde eingeleitet, aus der heraus eine vorsichtige Öffnung des Pilgers auf seinem Weg zu Gott stattfinden konnte.

 

Fünfte Etappe

Es schien sich eine neue Dimension für den Akteur zu öffnen:„…Tränen, die nicht meine waren…“ Wessen Tränen waren es dann? Jesu Tränen? Wahr hier wahrzunehmen, daß wir es mit einem mitgehenden und mitleidenden Gott zu tun haben? Es könnte auch das bloße Berührtwerden des Schreibers durch Gott gewesen sein, das ihn nun für verdeckte Emotionen, wie Trauer, öffnete. Es erscheint fast, als habe Gott gewartet und reifen lassen, bis der Protagonist die Emotionen wirklich tragen konnte. Das unterstreicht die Aussage über Gott, daß dieser uns Menschen nicht überfordert.

„…sich etwas den Weg bahnte, was … bisher gut verdrängt …“ Durch die Begegnung mit Gott kommt es hier zu der im Skript beschriebenen Berührung mit dem wahren Selbst. Die Art der Wahrnehmung, sowie die Wahrnehmung des Selbst an sich erfuhr eine Veränderung.

 

Sechste Etappe

Gleich zu Beginn dieser Etappe wird eine neu entfachte Sehnsucht spürbar. Der Schreiber ist zu einem aktiven Suchenden geworden. Er war bereit seine Komfortzone nun aktiv zu verlassen und sich auf eine neue Wahrheit einzulassen. „Mein Plan scheiterte … und ich mußte gegen meinen Willen…“ Trotz des inneren Öffnens und dem eigenen Wunsch nach Veränderung und Gottesnähe, war der Wille Gottes noch nicht zum eigenen Willen umgeformt worden und es gab noch deutliches Aufbegehren im Suchenden.

Entscheidend war jedoch , daß er diesen neuen Weg beschritt, der noch nicht sein eigener zu sein schien. Denn nicht der eigene Plan zählt, sondern der Plan Gottes, auf dessen Weg er den Suchenden gerade hinwies. Und dafür wirkte und befähigte Gott seinen Schützling: „Und ich war gut, …. was ich überrascht zur Kenntnis nahm.“ Unter Umständen werden wir auch mit Fähigkeiten zugerüstet, in welche wir erst hineinwachsen müssen. Das Wissen um das eigene Unvermögen, alle Selbstzweifel, bleiben in diesem Fall zunächst erhalten. Diese Zurüstung und das damit verbundene Wachstum wird im dritten Abschnitt der sechsten Etappe verdeutlicht, in welchem berichtet wird, daß der Verfasser eigentlich auf seine „Entlarvung“ wartet, tatsächlich aber an höherer Stelle gute Arbeit an seinen Patienten leisten durfte. Hier bewahrheitete sich, daß die persönliche Berufung im Wesentlichen dem sozialen Leben dient und eine Freiheit schenkt, die offen ist für die anderen (S.7).

Der nächste Abschnitt, in welchem die Mitmenschen als wahre Vorbilder erkannt werden, unterstreicht die unverwechselbar einmalige Weise, wie eine Person auf die Gemeinschaft hin von Gott geöffnet wird und aufgeschlossen wird für die soziale Wirklichkeit (S.8).

 

Siebte Etappe

Der Weg wurde immer klarer. Im nächsten Wegabschnitt wurde das aktive und entschlossene Zugehen auf Gott beschrieben. Eine aktive Handlung, um ein passives Empfangen vorzubereiten. „… ich entschied mich für … , als wahrlich aktive und sehr bewußte Entscheidung.“ Es wurde nun die eigene Einwilligung in die Verwandlung durch Gott gegeben für eine neue, reifende und tief interpersonale und sich in der Lebenspraxis entfaltende Liebesbeziehung zwischen Christus und dem Menschen (S.9).

In diesen neuen Lebenserfahrungen bleibt dem reflektierten Autor sein persönliches Unvermögen und die damit einhergehenden Selbstzweifel deutlich bewußt. Um Sicherheiten erlangen zu können und in dieser neuen Wirklichkeit leben zu können bedarf es verschiedener Hilfsmittel, die dem Wandelnden eine Differenzierung erlauben. Hilfreich ist hier u.a. die Unterscheidung der Geister. „… Leben wurde immer reicher und dichter… heller, freundlicher, energetischer und tatsächlich tröstlicher.“  In der zitierten Textstelle werden nun die Früchte des „guten Geistes“ deutlich erkannt und im weiteren Text die göttliche Perspektive erahnt. „… mit z.T. manisch anmutender Energie, Freude und Frieden… – immer mit einer göttlichen Perspektive.“

Der persönliche und einmalige Geschenkcharakter blieb dem Schreiber deutlich vor Augen. „… wie ausgerechnet mir dies geschenkt werden konnte, in meiner häufigen Zerrissenheit, Untreue, Verfehlungen, Hochmut und dem Gewöhnlichen.“ Zugleich wurde ein weiterer Entwicklungsschritt festgestellt.

Weiter begann sich das Sündenverständnis dieser Person zu verwandeln. Es ging nicht mehr darum, was Genau dem anderen angetan wurde, sondern es wird nach den Ursachen der Verfehlungen geforscht und das Unvermögen vor Gott in dieser einmaligen Beziehung in Augenschein genommen. Es bliebe abzuwarten, ob sich daraus das persönliche Partikularexamen entwickeln könnte. (S.12) Fakt ist, daß diese neue Wirklichkeit unverdient in verschiedensten Lebenssituationen geschenkt wurde – eine geschenkte Berührung Gottes, die dazu animiert Gott in allen Dingen zu finden. (S.11)

 

Achte Etappe

In diesem Abschnitt fand die wohl drastischste Veränderung der Person statt. Es beginnt damit, daß eine neue Priorisierung Einzug genommen hatte und viele Äußerlichkeiten plötzlich vollkommen belanglos erschienen „…war mir egal. Das wirklich wichtige in derartigen Tagen, die Möglichkeit Zeit vor und mit Gott zu verbringen.“

Selbst normale menschliche Grundbedürfnisse, wie der Nachtschlaf, erscheinen an Bedeutung zu verlieren, wenn auf der anderen Seite der Entscheidungsskala Gott zu erwarten ist. Die Bedürfnisse wurden immer einfacher bis sie auf Gott konzentriert werden konnten: „Ich bin bei Gott …“

In einem zweiten Schritt dieser Etappe ließ der Erzähler Gott sehr konkret und intim handeln: „… nahm Gott mir alle Verbände ab, damit ich meinen Körper betrachten konnte…“  Der Körper ist hier wohl gleichzusetzen mit dem eigenen Leben, daß nun ganz neu betrachtet werden durfte – vielleicht auch mit einem ersten veränderten Blickwinkel, einem göttlichen Blick. „… und ich mußte feststellen, es waren keine Verletzungen mehr da.“ Es durfte eine neue, göttliche Schönheit und Unversehrtheit wahrgenommen werden. Es fand eine ungeahnte und verborgene Heilung der Biographie statt, die den Verfasser sogar die gottgegebene Vergebung zulassen ließ.

Im weiteren Verlauf durfte der Literat erkennen, wie er mit Gottes Hilfe über sich selbst hinausgewachsen war und nun bisweilen die Rolle eines Multiplikators einnehmen durfte: „… Multiplikator, der nur kleinste Steine bewegt und doch das ganze Gebilde in Bewegung setzt.“ Durch Gottes Wirken fand nun eine neue Art der Befreiung statt: „Und so gibt es auch keine Hindernisse mehr. Es kann keine Situation geben, die Gott überfordern könnte und so kann ich auch in objektiven Grenzsituationen gut für mein Gegenüber da sein.“ Alle bisherigen Ängste scheinen nun zunächst überwunden und es eröffneten sich neuen Möglichkeiten.

Auf S.18, des Skriptes heißt es, daß er Berufene eine Haltung der Fremdheit und des Mutes zum Problematischen einnimmt. Tatsächlich wird die innere Wahrnehmung es Empfangenen dies nicht als mutig verbuchen, weiß sie Seele doch, daß es nicht der eigene Verdienst ist.  Da es nun aber keine Situation mehr gibt, die sich der endgültigen Sinngebung durch Gott verschließen würde, darf sich der Mensch einen hochgradigen Optimismus leisten.

Und nur wenn der gottgeschenkte Sinn von der Herzensmitte her gelebt werden kann, ist der Berufene wirklich lebendig. (S.12) „Sie bekommen etwas ab, von dem Feuer und der unglaublichen Energie, dem Mut, der Perspektive und der Kraft, die darin steckt. - Etwas, was meine Mitmenschen spüren und benennen.“ Hier wird der Berufene nicht von Angst vor dem Selbstwert, sondern von Zuversicht und Hoffnung (S.16), basierend auf Glauben und Wissen, angetrieben. „Auch hier möchte ich einfach nur vor Gott sein – bei ihm sein – der Quelle all meinen Seins und der Kraft, aus der ich lebe und die ich weitergeben darf.“ In dieser Quelle wird auch dem wachsenden Menschen seine Aufgabe durch diese unerschöpfliche Quelle immer klarer: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen.“ (LK 12,49) Feuer – ja, und er hat den Berufenen entzündet, damit er weiter entflamme, daran mitwirkt andere zu befreien und den Weg in eine besondere Entschiedenheit bereiten kann. Der Berufene ist dafür verantwortlich, daß der Funke der Offenbarungsbotschaft auch auf das Leben des Nächsten überspringt, da man seine eigene Lebensberufung immer auch für den Nächsten empfangen hat. (S.19)

 

Neunte Etappe

Bei aller Entwicklung, Wachstum und Freude, kam nun eine erneute Zeit der latenten Ernüchterung – ohne daß dabei das Wissen oder die Freude an Gott Schaden gonommen hätte. Der Berufene erkannte den Wunsch nach Heiligkeit, als seinen menschlichen Wunsch nach eigener Größe und Kontrolle. Doch es fand keine entwertende Selbstkritik statt, sondern es war eher ein Registrieren der eigenen Unvollkommenheiten und Umstände, die in die Lebenswahl bei sich und dem Gegenüber immer wieder mit hineinspielen (S.17). Die Erfahrungen mit Gott erlaubten dieser Person eine neue Klarheit auch sich selbst gegenüber und manifestierten das Wissen, ohne Gott nichts zu sein: „Das schaffe ICH nicht.“ Zudem muß man vor Gott eingestehen, daß man die Hingabe noch nicht ganz vollziehen kann und immer noch viel für sich zurückbehält. (S.21)

Im letzten Abschnitt dieses Berufungsweges nimmt der Berufene das Wort vom Glücken des Lebens so ernst, daß er auch die Grenzen des Todes nicht ausspart und sich dieser Wirklichkeit stellt (S.18). Denn der von Gott Gerufene trug in sich ein auf klarem Wissen basierenden tiefen Glauben, der sehr deutlich in die Zukunft strahlt, als berechtigte Hoffnung in Gott. Diese Hoffnung hält er auch für seine Mitmenschen gerne offen, die ihn, wie bereits erwähnt, gerne dafür aufsuchten. Vielleicht auch gestützt durch eine gewisse unaufdringliche Aura von Glaubwürdigkeit, die auf andere anziehend und einladend wirkt. (S.19)

Dabei weiß diese Person sich inmitten ihres beständigen Lern- und Läuterungsprozesses (S.19), wobei festzustellen ist, daß das Sündenverständnis noch eine weitere Verfeinerung erfahren hatte.


 

3.     Schlußbetrachtung

Wie ein roter Faden zieht sich der Ruf Gottes und sein Wirken zum Heil des Gerufenen durch alle Lebensabschnitte, ohne daß dem Menschen der Ruf von Anfang an klar oder offenbar gewesen wäre. Es erscheint, als wäre der Verfasser bereits als Kind mit besonderen Gaben und Möglichkeiten von Gott zugerüstet gewesen. Diese haben ihn durch dunkle Wüsten und stürmische Zeiten geführt und dafür gesorgt, daß der Pilger weitestgehend unversehrt auf seinem turbulenten Weg bleiben konnte. Der Weg selbst wurde im Laufe der verschiedenen Wegstrecken (Jahre und Jahrzehnten) immer klarer und eindeutiger.

Offensichtlich ist auch, daß der Autor nie der scheinbaren, sozialen Norm entsprach. Doch diese Norm hätte ihn vermutlich auch nicht überleben lassen -. Heute ist genau diese Andersartigkeit eine seiner großen Stärken. Gott, seine Gaben und die Andersartigkeit des Glaubenden bilden die Fasern, aus welchen besagter rote Lebensfaden gewebt wurde.

Die Person erfährt somit eine Bestätigung seiner Berufung durch seine eigene Lebensgeschichte. (S.10). In Ihr kann er retrospektiv nun die immer weiterführende Vertiefung seiner Gottesbeziehung und die neuen Aspekte und Vertiefungen seiner Berufung erkennen (S. 10). Wer seine persönliche Berufung lebt, ist demnach ein Mensch in fortwährender und vertiefender Weiterbildung und Umbildung (S.13) im Rahmen der Verähnlichung zu Jesus.

Im vorliegenden Text ist in den verschiedenen Wegetappen tatsächlich auch eine Art Aufstieg im Sinne einer Entwicklungszunahme erkennbar.

Die persönlich größte Entwicklung erfährt der Wandernde dieses Textes in der achten Etappe. Diesem Lebensabschnitt wurde auch der längste Text gewährt. Die Etappennummerierung erfolgte eher zufällig. Tatsächlich ist es aber so, daß die Zahl Acht als heilige Zahl gilt oder auch als Zahl der Auferstehung und des Neuanfangs darstellt. Es ist das Kapitel der bisher größten Selbsterkenntnis durch Gott. Aus dieser neuen Selbsterkenntnis kann weitere Befreiung und Wachstum entstehen, weshalb das Symbol des Neuanfangs ein wunderbares Symbol für diesen Abschnitt darstellen könnte.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0