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Nächstenliebe versus Egoismus

-  Wie geht „echte“ Nächstenliebe? -

Zum Thema Nächstenliebe fällt mir Vieles ein, besonders in den Wochen vor Weihnachten. Doch die nagensten aller Fragen sind zum einen die Frage, ob Nächstenliebe gänzlich selbstlos sein muß und zum anderen, ob es in dem Falle dann überhaupt wahre Nächstenliebe geben kann. Und konkurrieren Nächstenliebe und Selbstliebe miteinander??

Die Aufnahme von Kindern, nachts und am Wochenende für Patienten, Freunde und Familie da sein…? Das ehrenamtliche Rettungsdienstfahren meines Mannes samstagsnachts, die Kindergruppe am Montag, die Unterstützung einer „benachteiligten“ Person oder die Übernahme einer Vorstandschaft eines Vereins für ganz „besondere“ Menschen, Fahrdienste , …? Ist das Nächstenliebe oder nicht doch eher Selbstzweck …. oder etwas, was ich zufällig gut kann?

Seelsorgerin Maria Kaißling sagt: „Unter Nächstenliebe ohne Vorbehalt verstehe ich eine Haltung, die dem Nächsten einen Platz im eigenen Leben einräumt, ihm Respekt zollt und die bereit ist, sich emo­tional auf ihn einzustellen. Liebe ist weit mehr als nur ein Gefühl; sie lenkt unseren Blick von den eigenen Bedürfnissen auf die des anderen.“ Diese Liebe ist demnach bisweilen auch unangenehm und wenig Vorteilhaft für mich persönlich. Sie kann auch Entbehrungen meinerseits beinhalten, Schmerz oder Verluste. Das hört sich nicht zwingend motivationssteigernd für die Einübung der Nächstenliebe an.

„… Selbsthingabe statt Selbstdurchsetzung praktizieren. Das erfordert, daß auf die Durchsetzung der eigenen Ideale von der Beziehung zum anderen und im Grunde sogar auf das selbstherrliche Gefühl, für den Anderen etwas Gutes zu tun, verzichtet wird. (…)“ (Lehrbrief Diakonie, Theologie im Fernkurs, Würzburg)

Abgesehen von unserem „Wollen“ …. können wir Menschen das? Jedes Handeln unseres Lebens unterliegt doch Motiven (Essen, Trinken, Verteidigung, Versorgung, Schutz, Fortpflanzung, …). Und im Sinne der „Selbstliebe“, sollte ein positives Gefühl, wenn ich Gutes getan habe, doch auch kein Problem darstellen, oder?

 

ABER: „Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich selbst“– Nicht statt dir selbst! Das setzt voraus, daß ich mich selbst liebe, was bisweilen gar nicht so einfach ist, wie es vielleicht klingen mag. Ich soll also auf mich achten, Grenzen wahren, mich nicht aufgeben, mir selbst Respekt zollen und auf mich aufpassen. Denn jeder Mensch ist ein geliebtes Geschöpf Gottes, auch ich.

An diese Liebe soll ich mich auch erinnern, wenn ich über ein anderes geliebtes Gottesgeschöpf (in diesem Falle einen Mitmenschen) richte oder ihm „diene“.

Wie ist das mit Gott und der Liebe?

- Wenn wir uns von Gott wirklich anschauen und lieben lassen würden, ohne bereits bei dem bloßen Versuch dessen vor Scham zu zerfließen und uns deswegen dem nicht mehr aussetzen…. dann wären wir alle vermutlich etwas mehr „ganz“ oder „heil“ oder rundum unversehrter.

Wir könnten mit Gott lernen uns selbst zu akzeptieren und zu lieben und dürften in uns ruhen. Wir wären dann frei andere so zu lieben wie sie sind mit allem was zu ihnen gehört. Der andere wäre nicht mehr meine „Ersatzliebe“, die mir das geben muß, was ich mir selbst verwehre (Akzeptanz, Liebe, Wertschätzung, Offenheit, Vertrauen, Versöhnung, Nachsicht …) und die ich auch von Gott oft nicht wahrlich annehmen kann (vielleicht auch weil man es nicht gezeigt bekommt?). Und doch fürchte ich, muß man in seinem Glaubensweg mit Gott schon recht weit gegangen sein, um dies zu können und auch erst so – in Gottes mich voll und ganz umschließender Liebe – zu wahrer Selbst- und Nächstenliebe fähig zu werden.

Jesus, der konnte dies! Niemand vor und nach ihm wird vermutlich eine größere Nächstenliebe aufbringen können als er. Gott hat uns seine Zuwendung und sein Versprechen gegeben. Wir können und müssen nichts ohne ihn leisten: „(…) denk an den Bund des Höchsten und verzeih die Schuld! (…)“ Mit ihm und zwar nur mit Gott, kann ich verzeihen, loslassen, mich voll und ganz hingeben, lieben und mich einem anderen zuwenden. Und dass, was ich allein in meiner aufrichtigen Bemühung nicht vollbringe, wird ER mir dazu geben.

Wow, was für ein Versprechen! Was für eine unglaubliche und beschenkende Perspektive für uns alle.

Ich werde nicht alles können und nicht die Welt retten … im Zweifelsfall nicht einmal die Minikatastrophen vor meiner Haustür – und da gibt’s ne Menge!! -  Aber ich werde bemüht bleiben Bedürfnisse und Not zu sehen und mich weiter darin üben „für den anderen“ zu denken und hinzuhören. Und dann vielleicht doch ein klitzekleines Stückchen stolz sein, wenn es mir dann gelungen ist. 😉

Mein bisheriges, persönliches Ideal der Nächstenliebe kann und werde ich nicht erfüllen – dazu bin ich nicht fähig. Doch MEIN Gott verübelt mir dies nicht, sondern steht geduldig, liebend und unterstützend hinter mir und wünscht sich, daß ich weiter auf ihn schaue und mich bemühe in meiner Achtsamkeit weiter mit und in ihm zu wachsen. DANKE!

 

Ich wünsche eine liebevolle, achtsame und schöne Weihnachtszeit!

 

Susann-Mareen Theune-Vogelsang

 

 (Eine Übende!)

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