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Beziehungen und Engel

Menschen sind eben KEINE Engel mit nur einem Flügel, die einander benötigen um fliegen zu können

 

Immer wieder berate ich auch online via Mail und besonders in den letzten Wochen (Corona-Pandemie) geht es um Beziehungen und Beziehungsgestaltung, Erwartungen, Enttäuschungen, etc. Hier habe ich exemplarisch einmal eine Teilkonversation wiedergegeben. Vielleicht sind hilfreiche Gedanken dabei ;-)

Meine Texte sind blau, die des Klienten weiß und aus seiner letzten Mail entnommen:

 

Lieber T...,

danke für Deine Rückmeldungen. Es freut mich, daß Du meine Kommentare auch durchaus kritisch betrachtest. Vergiß bitte nie, daß ich lediglich Interpretations- und Erklärungsmodelle anbiete, die selbstverständlich keinen Anspruch auf „Wahrheit“ stellen.

 

Nun zu einem mir sehr wichtigem Thema:

Wir müssen uns lieben und wohlwollend betrachten können, um gute, liebevolle und funktionierende Beziehungen führen zu können. Ansonsten werden wir von unserem Gegenüber immer das verlangen, was wir bei uns selbst vermissen.

Heißt: Nur wenn ich mir selbst genüge, zufrieden bin und keine komplexen offenen Bedürfnisse hege, kann ich auch andere Menschen freisetzten und brauche nicht eifersüchtig zu sein oder zu grübeln.

Wenn ich mir meines Reichtums bewußt bin, kann ich meinen Partner auch gut ziehen lassen und ihn mit Freuden auf seinem eigenen Entwicklungsweg begleiten und seine Erfahrungen machen lassen. Bin ich mir meiner aber selbst nur bedingt sicher, hege ich latente Ängste und Befürchtungen oder empfinde mich selbst nur eine „eingeschränkt“ liebenswert, werde ich stets auf der Hut sein, jede Kleinigkeit hinterfragen, auf mich beziehen und irgendwie angespannt sein.

Das bedeutet aber auch, daß ich nicht bedingungslos lieben kann. Meine Liebe erhofft sich nämlich „Heilung“ vom Partner für sich selbst. Da wo ich mich nicht liebe und Bestätigung benötige, möchte ich von meinem Partner geliebt werden. Wo ich unsicher bin, erwarte ich Stärke bei meinem Gegenüber und Dinge die ich verabscheue, sollen von meinem Partner bestätigt werden. Er soll immer das komplementieren, was bei mir selbst noch defizitär ist. Das ist nix Neues und über all so. Nur die Wenigsten machen sich dies wirklich bewußt und schließen die richtigen Konsequenzen daraus.

Ich mochte ihn nämlich auch, «weil er alles hat, was ich nicht habe und was ich mir natürlich wünschen würde. […] Bedeutet das nicht automatisch, daß Du unglaubliche (vielleicht unbewußte) Erwartungen an den Jungen gestellt hast und damit auch an jede andere Beziehung stellen wirst?

Natürlich kannst Du Dich wieder verlieben, lieben und eine großartige Beziehung führen. Es wäre dafür hilfreich, wenn Du mit Dir im Reinen wärst, Dich lieben könnest und wüßtest, daß Du in jeder Hinsicht liebens- und begehrenswert bist. Ziel sollte sein, einen anderen Menschen nicht zu benötigen, damit Du Dich gut und komplett fühlst. Erst dann kann man WIRKLICH frei lieben, zumal Liebe eben nicht nur eine Emotion ist, sondern zu tiefst etwas sehr Rationales hat.

Ich habe Lennart nicht kennen gelernt, aber er scheint ein ungewöhnlicher Mensch zu sein! 🙂

Ja, das ist er! Er kennt seinen Wert. Er weiß, daß er geliebt ist und daß es ganz natürlich ist, ihn zu lieben. Er vermißt nichts und kann deshalb unglaublich geben und selbstlos handeln. Er weiß, daß er ne coole Socke ist und muß sich deshalb nicht aufspielen und kann anderen „ihre Bühne“ lassen. Und doch kann er sich ordentlich gehen lassen und alles sprengen. 😉 Er weiß, daß ihm nichts passieren kann und ein Konflikt nichts an seiner Liebenswürdigkeit ändern wird, weshalb es ihm leicht fällt Verantwortung zu übernehmen und auch unangenehme Gespräche zu führen. SICHERHEIT! Insofern ist er ein gutes Beispiel für meine vorangegangenes Thema.

Es hilft sicher ein Elternhaus zu haben, daß einem genau das auch vermitteln kann. Und doch ist es möglich dies auch ganz allein für sich zu lernen und neue Erfahrungen zu machen. Und noch eine andere Frage könntest Du Dir stellen: Fühle ich mich von Gott geliebt? Bzw. noch viel spannender wäre an dieser Stelle die Frage, kann ich mich (von Gott oder einem Menschen) überhaupt lieben lassen und wenn nicht …. was genau hindert mich daran?

 

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.

Susann-Mareen

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