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002 Liebe und Nächstenliebe

 „Liebe“ ... ein heißes Eisen, ...was ist für mich Liebe Gottes und Liebe zu Gott ?Nähe, Hingezogensein, Hinwendung, Zuwendung, warmes Gefühl, Vertrauen, Zutrauen, Geborgenheit, irrationale Sicherheit, Begeisterung… nur einige Beschreibungen, die mir spontan einfallen. Liebe spüren - was ist das? Liebe geben - was gebe ich da?

Und das Schöne daran ist, daß Du niemanden Rechenschaft schuldest und jeder solche Themen für sich selbst definieren darf. Ich denke, entscheidend ist, daß es in dieser Beschreibung so etwas wie Sicherheit und Verläßlichkeit gibt, auf die ich zählen darf, ohne daß zuvor etwas „gezahlt“ werden mußte. Jemanden den ich liebe und für den ich Dinge aus Liebe tue, schuldet mir nichts. Liebe ist immer ein „sich verschenken“ und das wird für mich bei Jesus sehr deutlich: Aus Liebe stellt er mein Leben über sein eigenes. Und diese Liebe drängt ihn – er wäre also nicht davon abzubringen und er wird auch nichts dafür verlangen. Hinzu kommt noch, daß Gott uns Menschen, Dich, liebt, ob Du es nun wahrhaben willst und annimmst oder eben nicht. Und wenn er es denn nun schon tut – na dann kann es auch angenommen werden, oder? In dieser angenommenen Liebe darf ich mich dann verwandeln lassen und lernen aus dieser Liebe heraus zu agieren und diese auch auf andere anzuwenden. KANN – muß ich aber nicht.

 

Nächstenliebe ist, den anderen so zu lassen und zu nehmen, wie er ist.

Oft gehört, selbst oft zitiert- doch das wirklich praktizieren ist noch mal ein anderes Ding. An diesem Punkt setzt vielleicht die Demut ein: Feststellen, daß ich den anderen eben nicht mag, spüren, daß er bei mir verschiedene rote Knöpfe (Triggerpunkte) drückt und doch den Gedanken zuzulassen, daß er vielleicht nicht anders kann (Mitgefühl) und es eben mal gar nicht um mich geht. Mein eigener geistlicher Begleiter, C., sagte einmal: Übergib diese Person Gott und sag IHM: „Ich bin Dein Kind und er ist Dein Kind. Ich kann ihn nicht lieben, tu Du dies für mich!“

 

Bei dem Wort „lieben“ dreht sich mir bisweilen heute noch der Magen bei einigen Personen um. Aber ich muß niemanden hassen oder krampfhaft versuchen „nett“ zu sein à darf stehen lassen.

 

 Definition für Liebe gehört: „Liebe ist die Sehnsucht nach einem ergänzenden Gegenüber“; Ist es nicht ein Naturgesetz - Anziehung und Abstoßung? Es ist mir eben nicht jeder ein ergänzendes Gegenüber, wirkt anziehend auf mich. Den Begriff „Liebe, lieben“ benutze ich höchst ungern, weil er inzwischen derart inflationär und undifferenziert zitiert wird, dass er mir eher nichtssagend (oder missverständlich) scheint - und mit 1 Kor 13,4-7 hat das ohnehin nichts zu tun. Aber das ist ja auch schon Liebe in Reinkultur!

 

Wow, dazu fallen mir gleich mehrere Dinge ein.

1) Liebe ist nicht nur eine Emotion, sondern wahre Liebe hat sehr rationale und vernünftige Aspekte, im Gegensatz zum Verliebtsein. Es ist eine Überzeugung und Einstellung, die mich auch über schwere Zeiten und Zweifel hinweg tragen kann und nicht aus einer Laune heraus abgebrochen werden kann.

2) Das ergänzende Gegenüber: Ist das wirklich Liebe? Oder sollte ich nicht „komplett“ sein, um wirklich lieben zu können? Wir müssen uns selber lieben und wohlwollend betrachten können, um gute, liebevolle und funktionierende Beziehungen führen zu können und wirklich zu lieben. Ansonsten werden wir von unserem Gegenüber immer das verlangen, was wir bei uns selbst vermissen.

Heißt: Nur wenn ich mir selbst genüge, zufrieden bin und keine komplexen, offenen Bedürfnisse hege, kann ich auch andere Menschen freisetzten und brauche nicht eifersüchtig zu sein oder zu grübeln.

Wenn ich mir meines Reichtums bewußt bin, kann ich meinen Partner auch gut ziehen lassen und ihn mit Freuden auf seinem eigenen Entwicklungsweg begleiten und seine Erfahrungen machen lassen. Bin ich mir meiner aber selbst nur bedingt sicher, hege ich latente Ängste und Befürchtungen oder empfinde mich selbst nur eine „eingeschränkt“ liebenswert, werde ich stets auf der Hut sein, jede Kleinigkeit hinterfragen, auf mich beziehen und irgendwie angespannt sein.

 

Das bedeutet aber auch, daß ich nicht bedingungslos lieben kann. Meine Liebe erhofft sich nämlich „Heilung“ vom Partner für sich selbst. Da wo ich mich nicht liebe und Bestätigung benötige, möchte ich von meinem Partner/ Mitmenschen geliebt werden. Wo ich unsicher bin, erwarte ich Stärke bei meinem Gegenüber und Dinge, die ich verabscheue, sollen von meinem Partner bestätigt werden. Er soll immer das komplementieren, was bei mir selbst noch defizitär ist. Das ist nix Neues und überall so. Nur die Wenigsten machen sich dies wirklich bewußt und schließen die richtigen Konsequenzen daraus.

Nun weiß ich natürlich was ich alles nicht kann, an mir selbst nicht mag, wo ich Defizite aufweise etc., was die Selbstliebe dramatisch erschweren kann. Doch wir Christen haben da unser ganz persönliches ASS im Ärmel: Gott. Wo ich mich oder mein Gegenüber nicht lieben kann (wobei eben das erstere das zweite impliziert), darf ich Gott um Unterstützung bitten. Da schließt sich dann auch wieder der Kreis zum Thema Nächstenliebe.

 

Menschen sind eben KEINE Engel mit nur einem Flügel, die einander benötigen um fliegen zu können!

 

3) Das Wort wird inflationär verwendet – korrekt. Unterm Strich glaube ich jedoch, daß wir es unseren Mitmenschen aber viel zu selten aufrichtig sagen. Ist sich mein Partner, meine Kinder, mein bester Freund, ein lieber und mir wertvoller Bekannter sich meiner Liebe und Loyalität wirklich bewußt? Oder nehme ich nur an, sie wüßten schon, daß sie geliebt sind, weil es doch völlig normal ist??

 

Ich bin sehr stolz darauf, daß meine Kinder (Tochter primär) auf Rückfragen von Freunden, warum sie nun mit uns dies oder jenes tue oder etwas Besonderes darf oder eben keine Angst hat uns etwas zu sagen oder oder oder, schulterzuckend antwortet mit: „Na, weil meine Eltern mich lieben!“ Ob sie das Ausmaß heute schon voll und ganz ermessen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber es ist so selbstverständlich, daß es derzeit ihrer Wahrheit entspricht, sie es ausspricht und nicht daran zweifelt. Begreifen darf sie im Laufe der Zeit.

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