Ärztliche Privatpraxis

Aktuelles

Infoabend für Angehörige und Interessierte via ZOOM

25.09.2024

19 bis 21 Uhr

 

Netzdenkergruppe 

Nächstes Treffen am 19.07.24. um 19 Uhr! (Keller)

 

Sie finden mich:

 

Praxisadresse:

Pfr. Ledermann Platz 6

86456 Gablingen

 

Eingang Pfarrheim, neben der KIRCHE!, Parkplätze vor der Tür vorhanden.

 

 

Postadresse:

Grünholder Straße 37

86456 Gablingen

 

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Katastrophenfall - Meltdown

Was ist das? 

Und ist das wirklich eine Katastrophe? Was passiert und was will mir meine Körper/ Geist damit sagen?

 

Zu diesem Thema gibt es Vieles zu sagen, zu bedenken und bei sich selbst zj beobachten.

Die gute Nachricht zuerst: Man kann lernen damit umzugehen und Frühwarnzeichen zu erkennen!

 

Im Folgenden habe ich ein paar allgemeine Infos zusammengetragen. Ansonsten: Lassen Sie uns darüber sprechen!

 

Ein Meltdown bei Autisten ist eine reflexartige Handlung des Autisten, die er nicht kontrollieren kann. Es stellt eine Reaktion auf eine vorangegangene Reizüberflutung (Overload) dar, der die Betroffenen nicht ausweichen können. [1]

Er tritt auf, wenn individuelle Bewältigungsstrategien und eigene Fähigkeiten der Selbstregulation nicht mehr ausreichen, um sämtliche Reize und Stressoren zu verarbeiten.[2]

Betroffene sind prinzipiell nicht dazu in der Lage, sich einen Meltdown zu „verkneifen“ und meist auch nicht ihr Verhalten während eines solchen Zustandes zu kontrollieren.[3] Hat ein Meltdown begonnen, ist er nicht mehr zu unterbrechen[4]  und äußert sich in nahezu reflexartigen Handlungen (impulsiver und emotionaler Ausbluch) der Betroffenen.

Ein Meltdown kann Minuten bis mehrere Stunden dauern und bahnt sich in der Regel nach und nach an.

Betroffene sind sich ihrer Umgebung während eines Meltdowns meist nicht aktiv bewusst und interessieren sich auch nicht für die Reaktionen Dritter. Ausnahmen: Erwachsene Autisten, die ihr Verhalten besser kontrollieren und voraussehen können, sind mitunter in der Lage, die extremen, nach außen gerichteten Verhaltensweisen zu unterdrücken, sodass der Meltdown für die Umwelt nicht zwingend wahrnehmbar ist.

Ein Meltdown klingt nur langsam wieder ab und hinterlässt meist körperliche und mentale Erschöpfung. Das Verhalten während eines Meltdowns ist nicht vernunftgesteuert. Abrenzung zum Wutausbruch: dieser lässt sich oft auch abrupt beenden (z. B. durch Ablenkung), hat keine anhaltenden negativen Folgen[5] und kann reaktiv oder aus Trotz erfolgen.

 

Auslöser:

·        Geräusche

·        Lautstärke

·        Lichter

·        Starke Gerüche

·        Konfliktsituationen

·        Starke Emotionen wie Wut, Angst, Hilflosigkeit, „Ohnmacht“, …)

 

Symptome:

  • Selbstverletzenden Verhalten
  • Schreien, Schimpfen
  • Fremdaggression: Schlagen, Boxen und Anrempeln fremder Personen.
  • Reduziertes Schmerzempfinden
  • Retrograde Amnesie
  • Agitation
  • Starkes Stimming
  • Suizidgedanken
  •  Körperliche Symptome: Herzrasen, Zittern, Schwindel, Hyperventilation [1]

 Anschließend

  1. extreme körperliche und mentale Erschöpfung
  2.  Apathie (Shutdown), kann Tage – in Einzelfällen sogar bis zu Wochen dauern. (reaktiv).
  3. Starke Rückzug
  4. Eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten Extreme Müdigkeit und Erschöpfung
  5. Schuldgefühle, Scham

 

ToDO:

·        Auslöser entfernen

·        zusätzlichen Reize und Stressoren vermeiden 

·        Betroffenen möglichst wenig anzusprechen und auf körperliche

         Berührungen  (z. B. tröstende Umarmungen) zu verzichten.

·        Möglichkeiten des Rückzuges und Regeneration geben

·        Individuelle „Beruhiger“: eigenes Bett, individuelle Kuscheldecke,

         Lieblingsmusik, Haustiert, …)

 

  1. Auslöser identifizieren, Verhaltensanalyse
  2. Eigene Warnzeichen erkennen (Agitaion, vermehrtes Stimming, Ausleben von Ritualen, Weglauftendenz (Flucht), beschleunigte Herzfrequenz, Transpiration, Erheben der Stimme oder Mutismus
  3. "Beruhiger" an Bord haben

 

 

Literaturnachweise:

[1] https://flexikon.doccheck.com/de/Meltdown#:~:text=Ein%20Meltdown%20ist%20eine%20reflexartige,Boxen%20und%20Anrempeln%20fremder%20Personen, gesehen 20.06.2024

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Meltdown_(Autismus)

[2]  Lisa Habermann, Christian Kißler: Von der Überlastung zum „Wutausbruch“. In: Das autistische Spektrum aus wissenschaftlicher, therapeutischer und autistischer Perspektive. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2022, ISBN 978-3-658-37601-7 Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen, S. 61–70, doi:10.1007/978-3-658-37602-4_3 Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt übernehmen (springer.com [abgerufen am 25. Mai 2024]).

[3] Geoffrey Colvin, Martin R. Sheehan: Managing the cycle of meltdowns for students with autism spectrum disorder. Corwin Press, Thousand Oaks, Calif 2012, ISBN 978-1-4129-9403-3 Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen, S. 24.

 

[4] Geoffrey Colvin, Martin R. Sheehan: Managing the cycle of meltdowns for students with autism spectrum disorder. Corwin Press, Thousand Oaks, Calif 2012, ISBN 978-1-4129-9403-3 Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen, S. 24.

[5] Laura Foran Lewis, Kailey Stevens: The lived experience of meltdowns for autistic adults. In: Autism. Band 27, Nr. 6, August 2023, ISSN 1362-3613, S. 1817–1825, doi:10.1177/13623613221145783 Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt übernehmen (sagepub.com [abgerufen am 25. Mai 2024]).

[6]Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Meltdown_(Autismus)#cite_note-:2-7 (abgerufen am 20.06.2024)